Hallo 👋 Eine Ein-Mensch-Delegation der GoeLUG ist dieses Jahr zu den Chemnitzer-Linux-Tagen (CLT) gefahren und möchte hier nun kurz davon berichten.
Erstmalig fanden die CLT 1999 statt. Damals noch als eintägiges Treffen aber dafür mit Linux-Installationsparty 🐧🥳 Bei der ersten Veranstaltung kamen wohl schon rund 700 Menschen. Diesmal waren es laut Orga-Team ca. 3800 Besucher:innen.
Trotz des Andrangs war zwischen den Vorträgen immer noch viel Zeit mit all den interessanten und aufgeschlossenen Aussteller:innen ins Gespräch zu kommen. Ich habe mich dabei vor allem über intensivere Gespräche mit den netten Menschen von der Free Software Foundation Europe (FSFE) und unserer hochgeschätzten und geliebten Linux-Distribution Debian GNU/Linux gefreut.
Die FSFE ist das europäische Pendant der US-amerikanischen Free Software Foundation, teilt sich mit dieser aber nur den Namen. D.h., sie ist eine organisatorisch und finanziell komplett eigenständige Einheit. Ihr Ziel ist es - genauso wie das der GoeLUG - die Nutzung und Verbreitung freier Software in der Gesellschaft voranzubringen. Sehr schön ist das auch auf ihrer Webseite unter dem Menupunkt Über Uns zusammengefasst:
Die Free Software Foundation Europe ist ein gemeinnütziger Verein, der Menschen im selbstbestimmten Umgang mit Technik unterstützt. Software beeinflusst sämtliche Bereiche unseres Lebens. Es ist wichtig, dass diese Technik uns hilft, statt uns einzuschränken. Freie Software gibt allen das Recht, Programme für jeden Zweck zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Diese Freiheiten stärken andere Grundrechte wie die Redefreiheit, die Pressefreiheit und das Recht auf Privatsphäre.
…. 💯😊! Das hätten wir von der GoeLUG nicht schöner sagen können :)
Mit den Menschen von der FSFE vor Ort konnte ich lange Reden. Inhaltlich ging es vor allem um das Thema freie Software an Schulen, bei dem ich ja sehr hoffe stärker mit der FSFE zusammenarbeiten zu können. Vielleicht lässt sich auch eine FSFE-Lokalgruppe in Göttingen etablieren… oder mit der GoeLUG zur FsfeGoeLUG, oder so, zu verschmelzen ;)
Zu dem Thema Freie Software an Schulen gab es mehrere spannende Vorträge von denen ich vor allem den des Informatik-Lehrers Frank Schiebel: “Mit Linux an der Schule zur digitalen Mündigkeit?” hervorheben möchte. Ihr könnt euch den sehr sehenswerten Vortrag hier als Mitschnitt anschauen und hier gibt es sogar die Präsentation frei verfügbar zum Download. Gerade auch im Hinblick darauf, dass wir von der GoeLUG ab 15. April im Rahmen von mehreren Terminen an einer Göttinger Schule mit Schüler:innen Linux installieren und nebenbei ein wenig von freier Software erzählen dürfen, traf dieser Talk bei mir genau ins Schwarze. Hier eine meiner Lieblingsfolien aus dem Vortrag:
Nachdenklich stimmte mich bei diesem Vortrag im Nachhinein wie schwierig es scheinbar ist in der Schullandschaft Deutschlands hier wirklich nachhaltige Veränderungen herbei zu führen. Frank Schiebel ist ein motivierter und vor allem auch fähiger Info-Lehrer der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und so seine Schule erfolgreich auf einen Freie-Software-Pfad bringen konnte. Dennoch bleib dies ein stark an seine Person gebundenes Inselphänomen. Irgendeine Form Unterstützung seitens der für die Schulen verantwortlichen Behörden gibt es nicht. Er kann froh sein 2 Stunden seiner Unterrichtszeit pro Woche offiziell für die Administration der Systeme aufwenden zu dürfen (in Wirklichkeit ist und war das natürlich viel mehr). Meist herrscht auch in den Schulbehörden überhaupt keine Vorstellung davon was freie Software eigentlich ist und was ihre Vorteile sind (Stichwort: Lizenzgebühren 😳). Meiner Meinung nach fehlen hier bundes- oder gar europaweite Strukturen um Schulen dabei zu unterstützen auf Basis von freier Software IT-Bildung zu vermitteln. Wie sonst wollen wir es erreichen irgendwann einmal mehr digital mündige Bürger:innen zu haben? Wie auch schon im Zitat von der FSFE-Homepage oben angeklungen ist dies nicht bloß ein Nice-To-Have sondern in einer zunehmend durch-digitalisierten Welt essentiell für die Gesundheit unserer demokratischen Systeme. Wenn wir und vor allem unsere Kinder nur noch Dinge und digitale Werkzeuge benutzen deren Gestaltung, Veränderung und Entwicklung kein bisschen in unserer Macht steht, verlieren wir auch die Gestaltungshoheit über unsere Gesellschaften.
An vielen, nein, fast allen Schulen werden Apple oder Microsoft Produkte verwendet. Wie auf der Folie aus dem Vortrag oben auch hervorgehoben, wird es diesen Konzerne immer in erster Linie um Gewinnmaximierung gehen. Dabei ist das Bildungswesen wieder nur ein lukratives Geschäftsfeld in dem ganz leicht ein langfristiger Lock-In der “Kund:innen” aka Schüler:innen erzeugt werden kann. Wenn sie erstmal die ganze Schulzeit nur in Microsoft Office gearbeitet, oder Apple-Geräte benutzt haben, wird das im späteren Leben sehr wahrscheinlich auch nicht anders werden, was sie dann früher oder später ganz automatisch auch zu zahlenden Kund:innen macht.
Wäre es nicht viel sinnvoller, wenn an den Schulen offene Systeme verwendet würden, bei denen wir auch unter die Haube sehen können? Ist das nicht eigentlich das, was Allgemein-Bildung sein sollte? Bisher wird an den Schulen das bloße Benutzen von technischen Black-Boxes gelernt. Ich denke, aus demokratischer Perspektive ist es alternativlos, dass freie Software nicht bloß zur Pflicht auf behördlicher Ebene sondern auch in unseren Schulen wird. Ich hoffe wir können da als GoeLUG in der nahen Zukunft einiges zu beitragen.
Nun gut! Es gäbe noch viel mehr über all die wunderbaren, natürlich auch technisch hoch-interessanten Vorträge auf den CLT zu berichten. Doch auch der schönste Artikel sollte einmal zu Ende gehen. Und außerdem ist heute ja auch wieder Di.Day & Ostern 🐰
Wenn ihr mögt könnt ihr euch hier einen Überblick über das Programm verschaffen:
Oder gleich in der CCC-Mediathek vorbeischauen:
In diesem Sinne, einen schönen Di.Day und frohe Ostern noch euch allen 🐧